Pflegende Eltern finanziell absichern
- Oliver Meißel
- 16. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Am 24. Oktober 2025 fand erstmals der Tag der pflegenden Eltern statt. Ziel sei es, ,,die enorme, meist unbezahlte Pflegearbeit von Eltern sichtbar zu machen, die ihre Kinder mit Behinderung oder chronischer Erkrankung jahrelang betreuen und pflegen", erklärte der Bundesverband wir pflegen e. V. in einer Mitteilung. Neben Anerkennung und Solidarität stand in diesem Jahr vor allem eine politische Forderung im Mittelpunkt: die soziale und finanzielle Absicherung der pflegenden Eltern.
Allein- und Getrennterziehende besonders betroffen
Denn pflegende Eltern leisteten rund um die Uhr Pflege- und Betreuungsarbeit, meist unbezahlt, führt der Verband aus. Viele müssten ihre Erwerbstätigkeit aufgrund fehlender zuverlässiger Unterstützungs- und Entlastungsangebote reduzieren oder ganz aufgeben. Einkommensverluste, Altersarmut und soziale Isolation seien die Folge. Besonders betroffen seien Allein- und Getrennterziehende, die häufig auf Bürgergeld angewiesen sind. „Als pflegende alleinerziehende Mutter bin ich 365 Tage im Dienst. Ich habe keinen Urlaub, keine freien Wochenenden, keinen Feierabend. Zum Dank für meine ungesehene Arbeit bekomme ich dauerhaft Bürgergeld. Pflegende Angehörige leisten mehr als jeder 40-Stunden-Arbeitnehmer, werden aber mit Sanktionsdrohungen, Residenzpflicht und vielen weiteren Regeln des SGB II schikaniert. Das ist erniedrigend und zermürbend. Pflegende Angehörige gehören nicht ins Bürgergeld", erklärt Melanie, die ihren autistischen Sohn mit Pflegegrad 3 pflegt.
„Wir brauchen bedarfsgerechte Unterstützungs- und Entlastungsstrukturen. Für Eltern, die aufgrund der Pflegeverantwortung nicht arbeiten können, braucht es ein Pflegegehalt - finanziert aus bestehenden Leistungen und gestaffelt nach Pflegegrad," erklärt Sebastian Fischer, Vorstandsmitglied im Bundesverband wir pflegen e. V.
Buch-Tipp: ,,Plötzlich Pflege"
Christina Käßhöfer begleitet seit 15 Jahren ihren an Parkinson erkrankten Vater durch den Pflegealltag. In ,,Plötzlich Pflege" erzählt sie von den emotionalen Herausforderungen, den Momenten der Überforderung und den Hürden, die sie auf ihrem Weg überwinden musste - und sie schildert, wie wichtig Selbstfürsorge in dieser Zeit ist. Käßhöfer ist erfolgreiche Betriebswirtin, Managerin und Markenexpertin. Als ihr Vater 2002 an Parkinson erkrankt, beschließt sie, ihn gemeinsam mit ihrer Mutter zuhause zu betreuen und erlebt den Spagat zwischen Care-Arbeit und Erwerb des Lebensunterhalts. Sie ist Host des Heal2Care Podcasts. In diesem spricht sie mit anderen pflegenden Angehörigen sowie Menschen, die privat andere versorgen.
Info und Bestellmöglichkeiten: www.kaesshoefer.com/ploetzlichpflege/
Aktionstag "JA zum Alter"
Ältere Menschen an vielen Orten in Deutschland stellten den 1. Oktober in diesem Jahr unter das Motto „JA zum Alter". Zum Weltaltentag fanden Veranstaltungen, eine Hashtag-Aktion in Sozialen Medien und Straßen-Kreide-Aktionen im öffentlichen Raum statt. Gemeinsames Ziel war es, das Thema Älterwerden stärker ins gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken und eine positive Haltung gegenüber dem Älterwerden zu fördern. Der Tag solle so „zum Aktionstag gegen negative Altersbilder und für eine alternsfreundliche Gesellschaft werden", erklärten die Initiatoren. Zu gemeinsamen Aktionen aufgerufen hatte die BAGSO - Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen zusammen mit ihren 120 Mitgliedsorganisationen.

Benachteiligung beenden
Der Bundesverband pflegender Angehöriger, wir pflegen e. V., begrüßt den vorgelegten Zwischen- bericht der Bund-Länder- Arbeitsgruppe, Zukunftspakt Pflege', kritisiert jedoch, ,fehlende Maßnahmen, um die Benachteiligung häuslicher Pflege gegen- über der stationären Versorgung zu beenden". Begrüßenswert sei zwar, dass Pflegegrad 1 beibehalten werden soll. Die Empfehlungen des Zwischenberichts aber, den monatlichen Entlastungsbetrag von 131 Euro künftig für präventionsorientierte, fachpflegerische Maßnahmen zu verwenden, lehnt der Verband ab. Das widerspreche „jeder Logik", so Ursula Helms, Vorständin des Bundesverbands. Prävention bedeute „nicht nur Pflege, sondern in erster Linie den Erhalt von Mobilität, Selbstständigkeit und sozialer Teilhabe", so Helms.
Die Mehrheit ist für eine Vollversicherung
Eine deutliche Mehrheit von 65 Prozent der Bevölkerung ist für den Ausbau der gesetzlichen Pflegeversicherung zu einer Vollversicherung, die alle Pflegekosten übernimmt. Dagegen spricht sich lediglich eine kleine Minderheit von 18 Prozent für eine verpflichtende private Zusatzversicherung aus, die derzeit in der Politik vorrangig diskutiert wird. Das hat eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Bündnisses für eine solidarische Pflegevollversicherung ergeben. „Die Bevölkerung hat längst verstanden, dass Pflege nicht in Armut führen darf und solidarisch finanziert werden muss",

erklärt Dr. Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. „Eine solidarische Pflegevollversicherung schützt Menschen vor Armut im Pflegefall und entlastet Angehörige. Die bisherigen Vorschläge der Bund-Länder-AG ,Zukunftspakt Pflege' drohen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zusätzlich zu belasten, das wäre der falsche Weg. Die Bundesregierung muss den Ausbau der Pflegeversicherung endlich anpacken. In Auftrag gegeben wurde die Umfrage vom Bündnis für eine solidarische Pflegevollversicherung, dem zahlreiche Sozialverbände und Gewerkschaften angehören.
Zuhause unfallfrei leben
Damit ältere Menschen in ihren eigenen vier Wänden unfallfrei leben können, haben die ,Aktion Das sichere Haus - Deutsches Kuratorium für Heim und Freizeit e, V. (DSH)' und der Gesamt- verband der Versicherer (GDV) jetzt die Broschüre „Stürze im Alter verhindern. Wie Sie sich selbst und Ihre Angehörigen vor Sturzunfällen schützen" überarbeitet und neue Themen eingebaut.
Zur Broschüre: vinc.li/405kGVg
