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Im Gespräch mit ..

  • Autorenbild: Oliver Meißel
    Oliver Meißel
  • 16. März
  • 2 Min. Lesezeit
 "Elke Ronneberger, Diakonie-Vorständin". Pflege, Pflegeleistungen, Pflegereform

Im Herbst 2025 hat die Diakonie Deutschland rund 560 Pflegeberater:innen befragt, wie es um Belastungen pflegender Angehöriger steht. Das Ergebnis: Die Belastung ist vielschichtig und hoch. Für Diakonie-Vorständin Elke Ronneberger ist es nun höchste Zeit, die Angehörigen pflege- und sozialpolitisch zeitnah zu entlasten und zu stärken.


Die Befragung liefert Indizien für Belastungen Angehöriger auf verschiedenen Ebenen: physische und psychische, aber auch strukturell bedingte, etwa bürokratische Hürden, die der Inanspruchnahme professioneller Hilfe im Wege stehen. Welches Befragungsergebnis erfordert zuvorderst schnelles politisches Gegensteuern?

Unsere Umfrage zeigt, dass die pflegenden An- und Zugehörigen das Pflegesetting meist allein organisieren. Gerade zu Beginn fällt es ihnen oft schwer, ihre Rolle und den Umfang der Pflege realistisch einzuschätzen. Deshalb sehen wir einen klaren Bedarf an frühzeitiger Unterstützung für pflegende Angehörige - etwa bei der Antragsstellung, der Organisation der häuslichen Pflege und durch pflegefachliche Begleitung. Zudem wurde deutlich, dass die psychischen und emotionalen Belastungen pflegender Angehöriger sehr hoch sind. Gleichzeitig werden vor allem alltagspraktische Entlastungsleistungen nachgefragt. Dies sollte in den Beratungsgesprächen sensibel aufgegriffen werden.


Wie kann es Institutionen, etwa der professionellen Pflege, gelingen, Hemmschwellen zur Inanspruchnahme von Beratungs-, Entlastungs- und Pflegeleistungen abzubauen? Was könnten Dienste und Beratungsstellen verbessern?

Viele pflegende Angehörige wissen, dass sie Entlastung brauchen, lassen sie aber nicht zu. Besonders die stundenweise Verhinderungspflege könnte hierbei eine „Einstiegsleistung" sein, um erste positive Erfahrungen mit „fremden Personen" im Haushalt zu sammeln. Auch die Tagespflege bietet Freiräume für pflegende Angehörige. Entlastung wirkt nur, wenn Hilfe auch zugelassen wird und Freiräume tatsächlich entstehen. Dafür braucht es Verständnis für die eigene Situation, aber auch mehr gesellschaftliche Anerkennung familiärer Pflege, damit Unterstützung von außen nicht aus Scham oder sozialem Druck abgelehnt wird. Das sollten wir konsequent in Beratungsgesprächen, Pflegekursen und Schulungen aufgreifen.


Mit der Vorstellung von Eckpunkten für eine angekündigte große Pflegereform hat die Bundesregierung im Dezember eher für Enttäuschung gesorgt. Sehen Sie in dem, was bisher an Reformplänen bekannt ist, Ansätze zur Verbesserung der Situation pflegender Angehöriger?

Ansätze zu einer Verbesserung der Situation pflegender An- und Zugehöriger könnte die pflegefachliche Begleitung und Unterstützung bieten, wenn sie wirklich als pflegefachliche Begleitung ins Gesetz käme und auch bei den Sozialstationen sowie den Beratungsstellen angesiedelt würde. Außerdem könnte je nach Ausgestaltung die thematisierte Unterteilung in Sachleistungs- und Entlastungsbudgets eine einfachere und bürokratieärmere Inanspruchnahme der Leistungen der Pflegeversicherung ermöglichen.


Interview: Darren Klingbeil


Weitere Informationen zur Befragung der Diakonie und detaillierte Ergebnisse finden Sie hier online: vinc.li/4t66242

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