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Die große Reform nimmt Gestalt an

  • Autorenbild: Oliver Meißel
    Oliver Meißel
  • 1. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Die Pflege in Deutschland ist zum Stresstest geworden. Immer mehr Menschen werden pflegebedürftig, während Fachkräfte fehlen und die Kosten steigen. Die kommenden Monate müssen zeigen, ob die skizzierten Reformbausteine Entlastung und schnelle Hilfe bringen. Erste Einordnungen:

Im „Zukunftspakt Pflege" arbeitet eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe seit Juli 2025 daran, die Pflegeversicherung so weiterzuentwickeln, dass sie kommenden Herausforderungen standhält. Seit Dezember 2025 liegt dazu ein Bericht mit Vorschlägen und einem Fahrplan (s. Link Beitragsende) vor. Die kommenden Monate entscheiden nun, was davon wirklich umgesetzt wird.

Ende Januar 2026 (nach Redaktionsschluss) wurden die Vorschläge zudem mit relevanten Akteuren aus der Pflegepraxis diskutiert - darunter auch Interessenvertretungen, die die Perspektive pflegender Angehöriger einbringen. In der kommenden Ausgabe werde ich Ihnen hierüber berichten.


Leistungen: Was sich für Pflegebedürftige und Angehörige ändern soll

In der Reform-Debatte stehen oft Finanzierung, Paragrafen und Zuständigkeiten im Fokus. Für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige zählt jedoch, ob Hilfe früher ankommt, Organisation leichter wird und Entlastung im Alltag spürbar ist. Daran müssen sich die bislang im Reformdiskurs diskutierten Leistungsmaßnahmen messen lassen - die wichtigsten hier im Überblick:

  • Prävention & Reha stärken: Der Grundgedanke: Pflegebedürftigkeit soll möglichst vermieden, abgemildert oder hinausgezögert werden. Prävention und Rehabilitation sollen stärker in der Pflege verankert werden, damit Selbstständigkeit länger erhalten bleibt und Belastungsspitzen seltener werden. Ich sehe hier ein sehr großes Potenzial - wenn das vernünftig und nachhaltig mit passenden Angeboten organisiert wird.

  • Beratung/Begleitung besser verzahnen: Viele erleben Beratung als Momentaufnahme. Künftig sollen Beratung, Schulung und praktische Unterstützung besser ineinandergreifen - besonders in Phasen, in denen ein Pflegegrad neu festgestellt oder erhöht wird. Dann braucht es Orientierung, Prioritäten und konkrete nächste Schritte. Wichtig ist dabei, dass bestehende Kontakte zu Beratenden weiter bestehen und nicht durch Zuständigkeitswechsel verloren gehen.


Reform-Update: in der nächsten Ausgabe!


Reform, Pflegeversicherung, Pflege

  • Notfallbudget für akute Pflegesituationen: Pflege entsteht oft abrupt: nach einem Krankenhausaufenthalt, einem Sturz oder einer plötzlichen Verschlechterung. Bin Notfallbudget soll kurzfristige Hilfe ermöglichen, auch außerhalb klassischer Bürozeiten. Prinzipiell ist das eine gute Maßnahme - wenn die entsprechenden Ressourcen und verfügbaren Angebote dafür tatsächlich zur Verfügung stehen.

  • Budgetsbündeln: „Mehr Flexibilität und Bürokratieabbau" klingt gut - darf aber am Ende nicht weniger abgesicherte Ansprüche bedeuten! In der Diskussion steht, dass die drei bisherigen Einzelbudgets der häuslichen Pflege (Verhinderungspflege, Entlastungsbetrag, Pflegehilfsmittel zum Verbrauch) gestrichen und durch einen monatlichen Pauschalbetrag innerhalb von Pflegegeld/ Sachleistung kompensiert" werden könnten. Entscheidend ist hier die Substanz. Wenn die Pauschale nicht ausreichend bemessen ist, besteht die Gefahr einer faktischen Leistungskürzung!

  • Bürokratie abbauen: Weniger doppelte Vorgaben, schlankere Verfahren, schnellere Bearbeitungszeiten: Ziel ist, Zeit und Energie aus Verwaltung zurück in Versorgung zu holen - in Familien ebenso wie bei Diensten und Einrichtungen.

  • Pflege & Beruf besser vereinbar machen: Wenn Pflege und Erwerbsarbeit kollidieren, geraten Angehörige schnell an Grenzen. Künftig sollen Regelungen einfacher und flexibler werden, damit Pflege nicht zu finanziellen Brüchen oder beruflichen Sackgassen führt.


Finanzielle Maßnahmen

Die finanziellen Maßnahmen zielen im Kern darauf ab, die Ausgabendynamik durch stärkere Prävention und mögliche Anpassungen in der Begutachtungssystematik zu dämpfen, die Eigenanteile in der stationären Pflege über Modelle wie Dynamisierung oder Sockel-Spitze-Tausch zu begrenzen und den erwarteten Finanzierungsdruck der Pflegeversicherung ab 2027 insgesamt abzufedern. Parallel werden Optionen zur Gegenfinanzierung bzw. Lastenverschiebung (z. B. Richtung GKV oder über Steuermittel) sowie Elemente der Vorsorge/Kapitaldeckung und private Vorsorge diskutiert. In der nächsten Ausgabe liefere ich Ihnen dazu ein Update.

Weitere Infos online: vinc.li/3LzgJeB



Hendrik Dohmeyer ist sorgender Angehöriger, Pflegeberater nach § 7 a und betreibt die Website Pflege-Dschungel.de




Reformschwerpunkte

Leistungsmaßnahmen:

  • Prävention & Reha stärken, Beratung/ Begleitung besser verzahnen, Notfallbudget für Akut-Pflegesituationen, Budgets bündeln, Versorgungslücken schließen, Bürokratie abbauen, Digitalisierung/Innovation/KI, Pflege & Beruf besser vereinbar machen.

    Finanzielle Maßnahmen:

  • Dämpfung der Ausgabendynamik durch Prävention und neue Schwellenwerte in der Begutachtungssystematik, Begrenzung der Eigenanteile in der stationären Pflege, Gegenfinanzierung/Lastenverschiebung, Vorsorge-/Kapitaldeckung & private Vorsorge


 
 
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